Category Archives: Gesellschaft

  • Unsere Erinnerungen – unsere Sinne

    Wir haben eine ungefähre Geruchs-, und manche haben eine besonders gute Hörerinnerung. Unsere taktile Erinnerung ist schwach. Unsere Gefühlserinnerung viel stärker, doch auch sehr vergänglich, später im Leben häufig nur noch erahnbar in häufig selbstüberraschenden Reaktionen . Die Geschmackserinnerung ist noch vergänglicher. Doch wir leben auch mit der Bilderinnerung. Nichts ist so stark wie sie.

  • Terror – das Medienereignis

    New York, London, Madrid, Paris, Brüssel. Auch vor New York gab es Terroranschläge und Brüssel war nicht der letzte. Wir sind entsetzt, wir fühlen uns hilflos und keiner hat auch nur ansatzweise ein Rezept, wie man das beenden könnte.

  • Flüchtlingskrise – Münchhausen by proxy

    Die Tatsache, dass eine unvorstellbare Anzahl an Flüchtlingen vor den Toren Europas unter menschenunwürdigen Bedingungen kampiert, begreifen wir noch immer als unsere Krise. Von der Politik wird hektisch agiert und reagiert, in einer Rhetorik, die den Krisenzustand zum Ausnahmezustand erhebt: Obergrenzen, Transitzonen, Kontingente, Schießbefehl. Währenddessen wird das besorgte Wahlvolk zusehends hysterisch: Islamisierung, importierter Terror und überhaupt und ganz allegemein: der kurz bevorstehende Untergang des Abendlandes.

  • Randnotiz: Wahl der Köpfe

    In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt wurde gewählt. Unter Volldampf sozusagen, mit einer richtig hohen Wahlbeteiligung. Analysiert wurde auch schon: In BW wählte ungefähr jeder Siebte, in RP jeder Sechste und in SA jeder Vierte die AfD. Woher die AfD-Wähler kommen, wen sie vorher gewählt haben, und überhaupt die Afd waren in den Analysen ein Riesenthema. Viel interessanter fand ich die immer wieder zu hörende Feststellung, es sei, zumindest in BW und RP eine Personenwahl gewesen.

  • Miljenko Jergovic: Angst

    „Wer im Zustand der Angst lebt, der Schuld, der ständigen Angst vor der Angst, ohne die Augen schließen und Erlösung empfinden zu können, und dabei arbeiten, lachen und sich unterhalten muss, der lebt wie ich und muss damit in unserer Welt zurecht kommen.“ Das schrieb Ivo Andrić in “Wegzeichen“, einem Buch, an dem er zeit seines Lebens arbeitete. Auch wenn es anders klingt, liegt in Andrićs Worten mehr Wahrheit als Selbstmitleid, der schlimmste Feind des Menschen – schlimmer noch als die Angst.

  • Der Amtsschimmel reitet auch Heiligabend

    Schon auf dem Gang riecht es nach Zimtsternen und Vanillekipferln. Ich steige die Stufen zum Gemeindesaal hinauf, den die Ehrenamtlichen einmal wöchentlich zum Begegnungscafé umfunktionieren. An weihnachtlich geschmückten Tischen sitzen Leute zusammen, spielen selbsterklärende Spiele, füllen Anträge fürs Sozialamt aus und verfassen Briefe, in denen sie der ehemaligen GEZ erklären, der Bewohner des Containers Nr. sowieso halte gar kein Gerät zum Empfang öffentlich-rechtlicher Sender bereit und verzichte deshalb darauf, einen Beitrag zum deutschen Bildungsfernsehen zu entrichten.

  • Streiflicht: Belgrad – Hotel Moskva

    Von der Terrasse unseres Hotels hat man einen grandiosen Blick in Richtung Pannonische Tiefebene. Die Straße, die in den Terazije-Platz mündet, schiebt die Bebauung auseinander, der unmittelbar benachbarte Park bricht diese Stadtlichtung noch weiter auf und zwischen dem Hotel Moskva und dem Hotel Balkan öffnet sich die Stadt und mein Blick fällt den Berg hinab und über den Fluss in eine gewaltige Weite.

  • Ein Hotel für die Geheimpolizei

    Ich erreiche mein Ziel an einem Wochenende im Herbst, kurz bevor Bora und Kälte Dalmatien in den Würgegriff nehmen. An diesem Morgen kommt der Wind aus Süden. Ein Wind, den wir Jugo nennen und der nirgendwo so heftig weht wie an der Riviera von Makarska. Es ist warm aber bewölkt und nur noch die hartgesottensten Schwimmer gehen ins Wasser.

  • Sibeniks Wiederauferstehung

    Das Schöne bei uns ist ja , dass mindestens vier Städte, mehr oder weniger berechtigt, um den Titel der wichtigsten Stadt Dalmatiens wetteifern. Dubrovnik fährt das Argument der Geschichtsträchtigkeit auf – seine lange Tradition als Staat, ein reiches kulturelles Erbe, den Bekanntheitsgrad in der ganzen Welt und seine Attraktivität als touristisches Ziel.