Randnotiz: Wahl der Köpfe

von B. Stipetic

In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt wurde gewählt. Unter Volldampf sozusagen, mit einer richtig hohen Wahlbeteiligung. Analysiert wurde auch schon: In BW wählte ungefähr jeder Siebte, in RP jeder Sechste und in SA jeder Vierte die AfD. Woher die AfD-Wähler kommen, wen sie vorher gewählt haben, und überhaupt die Afd waren in den Analysen ein Riesenthema. Viel interessanter fand ich die immer wieder zu hörende Feststellung, es sei, zumindest in BW und RP eine Personenwahl gewesen. Der charismatische Kretschmann und die menschelnde Dreyer. Man sah ihren Erfolg darin begründet, dass sie nicht nach rechts geschielt, sondern den Kurs von Kanzlerin Merkel sogar unterstützt hätten. In einigen Sendungen nach der Wahl wurde die Frage aufgeworfen, ob wir gerade das immer dringender brauchen: starke Persönlichkeiten mit Rückgrat. Wer wollte da widersprechen. Auch ich finde Menschen gut, die zu ihrer Meinung stehen und sich nicht drehen wie das sprichwörtliche Fähnchen im Wind. Aber gerade deshalb finde ich es auch ein wenig gruselig. Denn so etwas geht natürlich nur solange gut, wie die starken Köpfe auch meinen Vorstellungen entsprechen. Bringt man den Ruf nach Politikerpersönlichkeit in Verbindung mit den Wahlergebnissen der AfD grusle ich mich noch mehr.
Es ist wesentlich leichter ein mieses Parteiprogramm hinter einer charismatischen Persönlichkeit zu verstecken, als ein gutes Parteiprogramm durch blasse Persönlichkeiten ans Wahlvolk zu bringen. Nichts gegen Dreyer und Kretschmann, sogar Merkel ist mir zur Zeit sympathisch, aber es passiert schnell, dass eine charismatische Persönlichkeit auftaucht, die für ein Programm steht, das so gar nicht in meine Vorstellung von Deutschland passt.
Man stelle sich vor, der kläffende Terrier, der der AfD voransteht, würde ersetzt durch eine charismatische Dame oder einen geschmeidigen Herrn, die nicht nur die AfD einen und hetzerische Auswüchse innerhalb der Partei unterbinden können, sondern der AfD ein menschelndes Gesicht geben und manche Kritik im Keim ersticken. Jemand, der rhetorisch begabt ist und nach außen hin zum Beispiel einen multikulti- oder grünen Lebensstil pflegt. Der einzige Trost ist, dass es so jemand wahrscheinlich innerhalb der Afd nicht weit bringen würde.
Dennoch, Köpfe mögen gut sein, gute Programme sind besser.